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Unserdeutsch
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Unserdeutsch (Autoglossonyme: Kaputene Doitsh,cite-ref-1[1] Kapute Deutsch; englisch: Rabaul Creole German) ist eine sterbende Kreolsprache im SĂŒdwestpazifik, die heute hauptsĂ€chlich in Australien und zu einem geringen Teil in Papua-Neuguinea gesprochen wird. Sie ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Umfeld einer katholischen Internatsschule in der einstigen deutschen SĂŒdseekolonie Deutsch-Neuguinea entstanden. Nach heutigem Kenntnisstand ist Unserdeutsch die einzige Kreolsprache der Welt, deren Wortschatz auf dem Deutschen basiert. Ihre grammatische und lautliche Struktur ist jedoch deutlich stĂ€rker vom örtlichen Tok Pisin (Melanesisches Pidgin-Englisch) beeinflusst, das heute einen offiziellen Status in Papua-Neuguinea hat.

Im Jahr 2020 wird Unserdeutsch nur noch von weniger als 100 Ă€lteren Menschen als Erstsprache gesprochen. Sprecherzahl und Sprachgebrauch sind seit den 1960er Jahren anhaltend rĂŒcklĂ€ufig, Unserdeutsch gilt somit als kritisch gefĂ€hrdet.cite-ref-2[2]

Contents

‱ Lexik
‱ Phonologie
‱ Morphosyntax
‱ Syntax
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Sprachentstehung und Sprachgeschichte

Die Geschichte von Unserdeutsch beginnt um das Jahr 1900 an der katholischen Missionsstation der Herz-Jesu-Missionare (MSC) in Vunapope (heute Stadtteil von Kokopo, damals Herbertshöhe), in der NĂ€he von Rabaul (damals Simpsonhafen), auf der Insel Neubritannien (damals Neupommern), der grĂ¶ĂŸten Insel des Bismarck-Archipels.cite-ref-0-3-0[3]

In den 1880er Jahren haben sich deutsche Herz-Jesu-Missionare in Vunapope niedergelassen und 1897 ein Waisenhaus und eine Internatsschule fĂŒr die zahlreichen Kinder gegrĂŒndet, die im weiteren Umfeld der Mission aus interethnischen Beziehungen zwischen europĂ€ischen oder asiatischen MĂ€nnern und einheimischen Frauen geboren wurden. Die Kinder wurden gesammelt und in der Missionsstation nach europĂ€ischen Wertevorstellungen und im katholischen Glauben aufgezogen und unterrichtet. Sie wuchsen in der Mission in geografischer und sozialer Isolation mit dem Bewusstsein und der Erfahrung auf, weder zur weißen Kolonialbevölkerung zu gehören noch indigene Schwarze zu sein. Somit standen sie aufgrund ihrer Hautfarbe zwischen den Fronten der damaligen kolonialen Rassengesellschaft, was zur entscheidenden außersprachlichen Voraussetzung fĂŒr die Genese von Unserdeutsch wurde.cite-ref-4[4]

Die Kinder wurden in der Missionsschule in Hochdeutsch unterrichtet und durften auch im Alltag nur Hochdeutsch sprechen. Die Verwendung von Tok Pisin, das von den meisten Kindern bei Eintritt in die Mission als Erstsprache gesprochen wurde, war als Sprache der „Kanaken“ strikt verboten. Im Zuge des erzwungenen Erwerbs des Hochdeutschen etablierten die Kinder eine pidginisierte, d. h. vereinfachte und restrukturierte Form des Deutschen fĂŒr die Kommunikation unter sich, deren Vokabular einerseits weitgehend dem Deutschen entnommen wurde, deren grammatische und lautliche Struktur aber andererseits stark an Tok Pisin angelehnt war. Die aufwachsenden Missionskinder verblieben auch nach Austritt aus der Schule an der Mission. Auf den Schulaustritt folgend war fĂŒr die jungen MĂ€nner eine Handwerkerschule und fĂŒr die Frauen eine Hauswirtschaftsschule vorgesehen. Bei VolljĂ€hrigkeit wurden sie anschließend von den Missionaren untereinander (zwangs-)verheiratet, erhielten zur Niederlassung meist ein GrundstĂŒck auf dem MissionsgelĂ€nde und wurden in verschiedenen Einrichtungen der Mission etwa als Landwirt, Baumeister, Verwaltungsangestellte etc. beschĂ€ftigt. Dank der Endogamie konnte sich die unter ihnen gesprochene, pidginisierte VarietĂ€t des Deutschen in den neu gegrĂŒndeten gemischtrassigen Haushalten als familiĂ€re Alltagssprache etablieren und dort dann auch zur Erstsprache der nĂ€chsten gemischtrassigen Generation werden. Unserdeutsch wird somit in der Zwischenkriegszeit bereits ein recht fortgeschrittenes Stadium des funktionalen Ausbaus, der strukturellen Konventionalisierung und auch die Stufe der Nativisierung erreicht haben und kann somit ab dieser Zeit als kreolisiert gelten.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 verlor das Deutsche Reich seine SĂŒdseekolonien und australische Truppen besetzten das damalige Neupommern. Die Missionare durften als einzige Deutsche auf der Insel bleiben. Mit ihnen blieb auch die deutsche Sprache zumindest im informellen Alltag und eine Weile auch noch als Schulfach an der Mission prĂ€sent, selbst wenn Englisch als neue offizielle Unterrichtssprache festgelegt wurde.cite-ref-1-5-0[5] Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Niederlage des Deutschen Reichs wurde die deutsche Sprache 1945 endgĂŒltig aus der Missionsschule verbannt. Unserdeutsch und zum Teil auch Hochdeutsch fanden ab jetzt nur noch im privaten und im Arbeitsumfeld an der Mission Verwendung.cite-ref-6[6]

Die sich bereits ab den 1960er Jahren abzeichnende UnabhĂ€ngigkeit Papua-Neuguineas wurde schließlich 1975 erreicht. Viele Angehörige der Vunapope gemischtrassigen Gemeinschaft waren nun durch die „indigenisierungs Politik“, die staatlich gezielte Förderung der indigenen Bevölkerung, erneuter Diskriminierung ausgesetzt und selbst bei einer BeschĂ€ftigung in einer Missionseinrichtung drohte ihnen die Entlassung. Bis auf wenige Ausnahmen emigrierten alle nach Australien, nicht zuletzt auch in der Hoffnung auf bessere Zukunftschancen fĂŒr ihre Kinder. Die Sprachgemeinschaft zerstreute sich hier in den urbanen Ballungszentren entlang der australischen OstkĂŒste. In der Diaspora ist Unserdeutsch zu einer kommunikativ wertlosen Sprache geworden. Als familiĂ€re Alltagssprache wurde es – auch infolge der immer hĂ€ufigeren Mischehen unter den Gruppenmitgliedern – vom Englischen abgelöst und an die nĂ€chsten Generationen nicht mehr weitergegeben.cite-ref-2-7-0[7] Die Sprachgemeinschaft begann zu schrumpfen und veraltete immer mehr. Heute (Stand: 2017) leben höchstens noch etwa 100 Unserdeutsch-Sprecher in Australien und etwa 10 in Papua-Neuguinea. Selbst die jĂŒngsten unter ihnen sind inzwischen ĂŒber 60, die allermeisten deutlich ĂŒber 70 Jahre alt. Angesichts dieser UmstĂ€nde gilt Unserdeutsch heute als kritisch gefĂ€hrdet und wird, wenn die Trends der vergangenen Jahrzehnte weiterhin anhalten, innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahrzehnte ausgestorben sein.cite-ref-0-3-1[3]

Allgemeine strukturelle Charakteristika

Kreolsprachen entstehen typischerweise als Folge von kolonialem Sprachzwang und anhaltendem, regelmĂ€ĂŸigem Kontakt zwischen den Sprachgemeinschaften der Kolonisatoren und der Kolonisierten. Ihre Grammatik ist in der Regel stark vom Einfluss der am Sprachkontakt beteiligten Sprachen der Kolonisierten geprĂ€gt, die ihrerseits das Substrat des Kreols darstellen. Der Wortschatz wird ĂŒberwiegend aus der dominanten europĂ€ischen Sprache entnommen, die das Superstrat bildet. Im Fall von Unserdeutsch ist das dominante Substrat das von den meisten Missionskindern der ersten Generation als Erstsprache gesprochene Tok Pisin, wĂ€hrend die Superstratsprache das Deutsche ist, das von den Missionaren in Vunapope gesprochen und unterrichtet wurde.

Da Unserdeutsch seine Wurzeln im (frĂŒhen) Zweitspracherwerb des Deutschen hat, zeigt es strukturelle Ähnlichkeiten mit anderen Formen von deutschen L2-VarietĂ€ten; sowohl mit deutschbasierten Pidgins wie etwa KĂŒchendeutsch in Namibia, als auch mit deutschen LernervarietĂ€ten, wie sie etwa im Zusammenhang mit dem sogenannten „Gastarbeiterdeutsch“ diskutiert und beschrieben worden sind. Im Gegensatz zu letzteren ist aber die im Vergleich zum Deutschen feststellbare relative strukturelle Einfachheit und die Restrukturierung von Unserdeutsch nicht mit dem unvollstĂ€ndigen Spracherwerb zu erklĂ€ren. Die gemischtrassigen Kinder der ersten (und z. T. auch der zweiten) Generation hatten ja an der Mission einen uneingeschrĂ€nkten Zugang zum Deutschen, das sie, wie schriftliche und mĂŒndliche Überlieferungszeugnisse zeigen, infolge des Erwerbszwangs sowohl schriftlich als auch mĂŒndlich tatsĂ€chlich erworben haben.cite-ref-3-8-0[8] Strukturelle Abweichungen vom Deutschen scheinen vielmehr als das Ergebnis von bewusstem sprachlichem Widerstand, gleich dem Wesen eines jugendsprachlichen Soziolekts, konstruiert und konventionalisiert worden zu sein, als eine Art symbolische Distanzierung vom Deutsch der Missionare. Vom Hochdeutschen abweichende Strukturen wurden also – als identitĂ€tsstiftender Akt – zur Schaffung einer distinktiven GruppenidentitĂ€t offensichtlich bewusst bevorzugt, und (a) mittels spontaner Simplifizierungen deutscher Strukturmerkmale, (b) durch strukturelle EinflĂŒsse aus Tok Pisin sowie (c) durch autochthone sprachliche Innovationen hergestellt.cite-ref-2-7-1[7]cite-ref-4-9-0[9]

Im Gegensatz zu LernervarietĂ€ten und auch zu KĂŒchendeutsch ist die sprachliche Struktur von Unserdeutsch – trotz seiner selbstverstĂ€ndlich vorhandenen internen VariabilitĂ€t – weitgehend stabil und relativ ausgebaut. Die relativ schnelle und weitgehende Konventionalisierung seiner sprachlichen Struktur wurde begĂŒnstigt vor allem durch das geschlossene und dichte soziale Netzwerk der Gemeinschaft, die recht schnell einsetzende alltagssprachliche Verwendung der Sprache und ihre identitĂ€tsmarkierende Funktion.cite-ref-2-7-2[7]cite-ref-1-5-1[5]

Unserdeutsch ist ein eindrucksvolles Beispiel dafĂŒr, wie erstaunlich schnell kontaktinduzierter Sprachwandel vor sich gehen kann: Zwischen dem Beginn des erzwungenen Deutscherwerbs in der Internatsschule und der Genese eines relativ stabilen, ausgebauten und als Erstsprache erlernten Kreols liegt nicht mehr als eine einzige Generation.cite-ref-3-8-1[8]

Dank der Hochdeutschkompetenz der ersten Generation und der bis weit in die Nachkriegszeit reichende PrĂ€senz der deutschen Missionare in Vunapope existierte Unserdeutsch ĂŒber mehrere Jahrzehnte hinweg neben bzw. im Schatten des deutlich prestigevolleren deutschen Gebrauchsstandards der weißen Missionare. Je nach Beruf, IntensitĂ€t des Kontakts zu den Missionaren und Prestigeorientierung haben einzelne Familien ihren Sprachgebrauch in unterschiedlichem Maße an der deutschen LeitvarietĂ€t der Missionare ausgerichtet, auch um sich dadurch in der Prestigehierarchie innerhalb der eigenen Gemeinschaft zu positionieren. Die Folge war die Entstehung einer Art Kreolkontinuum zwischen basilektalem Unserdeutsch mit grĂ¶ĂŸter struktureller Distanz zum Hochdeutschen und maximaler NĂ€he zu Tok Pisin, und meso- bzw. akrolektalen VarietĂ€ten mit grĂ¶ĂŸerer NĂ€he zum Hochdeutschen, dadurch grĂ¶ĂŸerer struktureller Elaboriertheit und geringerem Grad von Restrukturierung.cite-ref-2-7-3[7]cite-ref-3-8-2[8]

Sprachstruktur

Unserdeutsch weist neben kreoltypischen soziohistorischen bzw. Kontextmerkmalen wie das relativ junge Alter der Sprache oder die fĂŒr die Sprachentstehung entscheidende asymmetrische Machtkonstellation auch in seiner Sprachstruktur verschiedene kreoltypische ZĂŒge auf. Diese zeigen sich vor allem im geringeren Grad an struktureller KomplexitĂ€t im Vergleich zur Lexifikatorsprache, dabei vor allem auch in der Tendenz zum isolierenden Sprachbau, und generell im tiefgreifenden Substrateinfluss von Tok Pisin in Lautung und Grammatik.

Lexik

Unserdeutsch verfĂŒgt im Vergleich zu seiner Lexifikatorsprache ĂŒber ein deutlich kleineres Lexikon sowohl bei Inhalts- wie auch bei Funktionswörtern. Dies erklĂ€rt sich nicht zuletzt auch damit, dass Unserdeutsch seit jeher ausschließlich in der informellen MĂŒndlichkeit verwendet wurde, und anderen Registern und Funktionen nie gerecht werden musste. Der weit ĂŒberwiegende Teil des Vokabulars stammt aus dem Deutschen, ergĂ€nzt mit Übernahmen sowohl aus dem Tok Pisin als auch dem australischen Englisch.cite-ref-5-10-0[10]

| Nicht-deutsche Lexik in Unserdeutsch | Nicht-deutsche Lexik in Unserdeutsch |
|---|---|
| Aus dem Tok Pisin | kakaruk (‘Huhn, Hahn’) , kaukau (‘SĂŒĂŸkartoffel’), kanda (‘Bambusstock’), wokabaut (‘gehen, spazieren’), hambak (‘unartig, frech’), hausboi/hausmeri (‘mĂ€nnlicher/weibliche Hausangestellte/r’), wantok (‘Landsmann/Freund’), orait (‘gut, okay’) |
| Aus dem Englischen | shtore (‘Laden/GeschĂ€ft’), business (‘GeschĂ€ft’), office (‘BĂŒro’), government (‘Regierung’), whether (‘ob’), o(r) (‘oder’) |

Vor allem bei den Verben kommen hÀufiger hybride Wortformen in Unserdeutsch vor. In erster Linie solche mit englischem Stamm und Affixen aus dem Deutschen und/oder aus dem Tok Pisin.cite-ref-5-10-1[10]

Die Lexik von Unserdeutsch lĂ€sst zudem RĂŒckschlĂŒsse auf die geografische und sprachliche Herkunft des deutschen Missionspersonals zu. Eine systematische Analyse von regional markierter deutscher Lexik in Unserdeutsch hat ergeben, dass die Missionare in Vunapope hauptsĂ€chlich eine nordwestdeutsch-westfĂ€lisch geprĂ€gte standardnahe Alltagssprache gesprochen haben.cite-ref-11[11]

Phonologie

Kreolsprachen weisen im Vergleich zu ihrer Lexifikatorsprache oft eine geringere phonologische KomplexitĂ€t auf. In dieses Bild reiht sich auch Unserdeutsch ein, da es einerseits ĂŒber ein reduziertes Phoneminventar verfĂŒgt, indem es typologisch unĂŒbliche, markierte Vokale und Konsonanten des Hochdeutschen tendenziell abgebaut hat, und sich andererseits durch eine einfachere Silbenstruktur auszeichnet. Diese PhĂ€nomene sind nicht ausschließlich auf spracherwerbsbedingte Vereinfachungsprozesse zurĂŒckzufĂŒhren, sondern können in weiten Teilen als phonologischer Substrateinfluss von Tok Pisin erklĂ€rt werden.cite-ref-4-9-1[9]

Phoneminventar

Vokalsystem

Das Lautsystem von basilektalem Unserdeutsch stimmt sowohl quantitativ als auch qualitativ (mit Ausnahme von /ɛ/) mit dem von Tok Pisin ĂŒberein. Es besteht aus den fĂŒnf Vokalphonemen /i/, /ɛ/, /a/, /o/, /u/ und unterscheidet sich vor allem in folgenden Aspekten vom Vokalsystem des Hochdeutschen.cite-ref-4-9-2[9]

| Merkmale | Hochdeutsch | Unserdeutsch |
|---|---|---|
| Absenz der hochdeutschen Reduktionsvokale (abgeschwĂ€chte Nebensilbenvokale) [ə] und [ɐ] in unbetonten Silben | ‘aber’ ‘Schule’ | [abɛ] [ʃulɛ] |
| Abbau der gerundeten Vorderzungenvokale (ĂŒ und ö) | ‘fĂŒr’, ‘von’ ‘FrĂŒhstĂŒck’ | [fi] [friʃtik] |
| Abbau der langen Vokalphoneme | ‘MĂ€dchen’ ‘diese’ | [mɛthɛn] [disɛ] |

Konsonantensystem

Auch im Konsonantensystem von basilektalem Unserdeutsch besteht eine weitgehende Übereinstimmung mit dem Inventar von Tok Pisin. Mit den stimmlosen Frikativen [f] und [ʃ] und der peripheren Affrikate [tʃ] kennt das Unserdeutsch lediglich drei Konsonantenphoneme, die es im Tok Pisin nicht gibt. Alle anderen Konsonantenphoneme im Hochdeutschen, die crosslinguistisch als markiert gelten und im Tok Pisin nicht vorkommen, sind im Unserdeutsch tendenziell abgebaut oder substituiert, wie die untenstehende Tabelle illustriert.cite-ref-4-9-3[9]

| Hochdeutsch | Unserdeutsch | Beispiele |
|---|---|---|
| [ç] | [h]/Ø | ‘Kirche’ – [kirhɛ], ‘nicht’ – [ni] |
| [χ] | [h]/Ø | ‘lachen’ – [lahɛn] ‘Tag’ – [ta] |
| [pf] | [f] | ‘Pflanzung’, ‘Plantage’ – [flansuƋ] |
| [ts] | [s] | ‘zusammen’ – [susamɛn] |
| [ʀ]/[ʁ] | [r] | ‘trinken’ – [triƋkɛn] |
| [z] | [s] | ‘diese/dieser/dieses’ – [disɛ] |

Silbenstruktur

Wie die meisten Kreolsprachen ist das basilektale Unserdeutsch durch ein klares silbensprachliches Profil charakterisiert. Es zeigt eine Tendenz zu einfachen Silbenkodas und eine PrĂ€ferenz fĂŒr CVC- oder CV-Strukturen. In dieser Hinsicht unterscheidet es sich stark vom Hochdeutschen, das typologisch zu den Wortsprachen zĂ€hlt und sich durch das hĂ€ufige Auftreten komplexer Konsonantenclustern zur StĂ€rkung der Wortgrenzen auszeichnet (bspw. Furcht, Herbst). Im Unserdeutschen wie in anderen Kreolsprachen werden Konsonantencluster lediglich in silbeninitialer Position toleriert, kaum jedoch in der Silbenkoda. In Unserdeutsch werden die SilbenendrĂ€nder durch die Tilgung silbenfinaler Konsonanten geschwĂ€cht, um die „ideale“ CV(C)-Struktur zu erreichen. Auch dieses Merkmal kann in Unserdeutsch auf den Substrateinfluss zurĂŒckgefĂŒhrt werden, da das Tok Pisin sehr ausgeprĂ€gte silbensprachliche ZĂŒge aufweist.cite-ref-4-9-4[9]cite-ref-3-8-3[8]

‘nicht’ – [ni], ‘sagt’ – [sa], ‘bist’ – [bis], ‘Tag’ – [ta]

Morphosyntax

Als strukturelles Hauptmerkmal von Kreolsprachen zÀhlt die morphologische SimplizitÀt sowohl in der Flexionsmorphologie als auch in der Wortbildung. Unserdeutsch gilt mit seiner minimalen morphologischen KomplexitÀt in dieser Hinsicht als ein typischer Vertreter von Kreolsprachen: Redundante und irregulÀre morphologische Kategorien und Markierungen sind weitgehend absent zugunsten von transparenten und linearen Strukturen; die Tendenz zum isolierenden Sprachbau zeigt sich in der Absenz von synthetischen Markierungen der Lexifikatorsprache; grammatische Kategorien des Deutschen sind entweder abgebaut oder analytisch markiert.cite-ref-4-9-5[9]

Substantive

Das Kategorieninventar und das Flexionsparadigma des unserdeutschen Substantivs ist weitgehend vereinfacht.cite-ref-4-9-6[9]

Kasus

Das viergliedrige Kasussystem im Hochdeutschen (Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv) ist im Unserdeutsch weitgehend abgebaut. Das Substantiv kennt somit keine Kasusflexion. Die deutschen Kasussuffixe haben nur in einigen festen Wortverbindungen, insbesondere in formelhaften AusdrĂŒcken (wie Guten ta! – ‘Guten Tag’, am abend – ‘am Abend’), ĂŒberlebt.cite-ref-4-9-7[9]

Genus

In Unserdeutsch fehlt – Ă€hnlich zu Tok Pisin – auch die grammatische Kategorie des Genus. Somit hat es sowohl fĂŒr den definiten Artikel als auch fĂŒr den indefiniten Artikel im Singular jeweils nur eine invariante Form de bzw. ain (de medhen, de man, de kind).cite-ref-4-9-8[9]

Numerus

PluralitĂ€t wird in Unserdeutsch in formaler Anlehnung und funktionaler Äquivalenz zu Tok Pisin ol grundsĂ€tzlich analytisch markiert, mit Hilfe des prĂ€nominalen Pluralmarkers ale. Das Substantiv selbst bleibt dabei unflektiert. Die hochdeutschen Pluralsuffixe sind nur bei frequenten, hĂ€ufig pluralisierten Substantiven erhalten geblieben (vgl. ale kinder – ‘die Kinder’). Wird die PluralitĂ€t durch ein prĂ€nominales Adjektiv oder Indefinitpronomen bereits angezeigt, so fĂ€llt der Pluralmarker ale weg.cite-ref-4-9-9[9]

Verben

Auch in der Verbalflexion zeigen sich auffallende ParallelitĂ€ten zu Tok Pisin, zu einem deutlich geringeren Teil aber auch zum Englischen. Mit Ausnahme des nicht obligatorisierten Kopulaverbs sain – ‘sein’ kennt das Verb im Unserdeutsch keine Person- und Numerusflexion. Person und Numerus werden nur durch das Subjekt angezeigt, eine Subjekt-Verb-Kongruenz gibt es nicht.cite-ref-4-9-10[9]cite-ref-5-10-2[10]

Tempus

Das Tempussystem in Unserdeutsch ist vor allem im Vergleich zum Hochdeutschen stark reduziert und die grammatische Kategorie Tempus im Allgemeinen weit weniger grammatikalisiert. Das Verb steht in aller Regel in seiner nach Person, Numerus, Tempus und Modus unspezifizierten Grundform, bestehend aus dem Stamm und dem suffigierten Verbmarker -(e)n. Davon abweichende, irregulĂ€re Grundformen haben nur die Hilfsverben (z. B. mus – ‘mĂŒssen’, hat – ‘haben’, wit – ‘werden’ etc.) sowie einige frequente Vollverben (z. B. get – ‘gehen’, hat – ‘haben’, ‘besitzen’, sagen/sa – ‘sagen’), die anstatt des Infinitivs aus der 3.P.Sg.PrĂ€s. Form des deutschen Verbs abgeleitet sind oder auf den deutschen Verbstamm reduziert sind.cite-ref-4-9-11[9]

Vergangenheit

Im Regelfall wird die Vergangenheit nicht oder nur lexikalisch (beispielsweise mittels Temporaladverbien) markiert. Die grammatische Tempusmarkierung ist im Basilekt optional und erscheint, wenn ĂŒberhaupt, tendenziell am Anfang von VergangenheitserzĂ€hlungen.cite-ref-4-9-12[9]

Die hochdeutschen synthetischen PrÀteritalformen hat nur eine kleine, geschlossene Gruppe von frequenten, hauptsÀchlich Hilfs- und Modalverben, bewahrt (war, wolte, muste, konte, wuste). Im System von Unserdeutsch ist aber nur ein einziges, analytisch gebildetes Vergangenheitstempus angelegt, das von wenigen Ausnahmen abgesehen durch das unflektierte Tempusauxiliar hat und das Partizip Perfekt des Vollverbs gebildet wird. Das Partizip selbst besteht aus dem PrÀfix ge- + der Grundform des Vollverbs.cite-ref-4-9-13[9]cite-ref-5-10-3[10]

Futur

Das Futur wird mit dem unflektierten Auxiliar wit + der Grundform des Vollverbs gebildet. Seine Verwendung ist allerdings optional. ZukĂŒnftigkeit kann auch mit der in sich temporal unspezifizierten Grundform des Verbs ausgedrĂŒckt werden.cite-ref-4-9-14[9]

Modus

Das Verbalparadigma kennt keinen Imperativ. Auch in ImperativsÀtzen steht das Verb in seiner Grundform. Weiter gibt es keinen synthetischen Konjunktiv, die einzige grammatikalisierte Möglichkeit zur Markierung eines Irrealis ist die polyfunktionale Konstruktion wit + Grundform des Vollverbs, die neben Irrealis auch Futur (s. oben) und habituelle Vergangenheit (s. unten) markieren kann.cite-ref-4-9-15[9]

Aspekt

Unserdeutsch hat ein relativ komplexes Aspektsystem, was im Vergleich zum Hochdeutschen auffĂ€llig ist. Im kreolistischen Kontext ist es jedoch weit weniger auffĂ€llig, da die grammatikalisierte Aspektmarkierung in Kreolsprachen als verbreitet gilt.cite-ref-12[12] Unserdeutsch verfĂŒgt ĂŒber zwei Konstruktionen zur Aspektkodierung. Einerseits können ProgressivitĂ€t und HabitualitĂ€t mithilfe der recht stark grammatikalisierten Konstruktion (Kopula) + am + Verb markiert werden.cite-ref-4-9-16[9]cite-ref-1-5-2[5]

Habituelle Vergangenheit kann andererseits auch mit der Konstruktion wit + Verb ausgedrĂŒckt werden. Diese Konstruktion zeigt auffallende formale und funktionale ParallelitĂ€ten zum englischen past habitual, was eine spĂ€tere, nach dem Ende der deutschen Kolonialzeit erfolgte Etablierung der Konstruktion vermuten lĂ€sst.cite-ref-4-9-17[9]cite-ref-1-5-3[5]

Genus Verbi

Im Basilekt treten kaum Passivkonstruktionen auf, bestehend aus dem flektierten Auxiliar sain und dem Part. Perf. des Vollverbs. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit zum englischen Passiv lĂ€sst sich auch hinter dieser eher peripher vorkommenden Passivkonstruktion ein sekundĂ€rer Adstrateinfluss aus dem australischen Englisch vermuten.cite-ref-3-8-4[8]cite-ref-4-9-18[9]

Negation der Verbalphrase

Zur Negation der Verbalphrase wird die Partikel ni verwendet, die in einfachen Verbalphrasen – in Übereinstimmung mit der Negationssyntax in Tok Pisin – am Anfang der Phrase, vor dem Verb also, steht.cite-ref-4-9-19[9]

Adjektive

In Unserdeutsch wird am Adjektiv weder Genus noch Kasus oder Numerus markiert. Einzig bestehendes, weitgehend grammatikalisiertes Suffix ist das Attributivsuffix -e, das bei attributivem Adjektivgebrauch obligatorisch an den Stamm gehÀngt wird. PrÀdikative und adverbiale Adjektive sind unmarkiert.cite-ref-4-9-20[9]

| Attributiver Gebrauch | De shwester wokabaut mit ain grose kanda in ire hand. ‘Die Missionsschwestern sind mit einem großen Bambusstock in der Hand herumgegangen.’ |
|---|---|
| PrĂ€dikativer Gebrauch | Ale drai knabe son tot. ‘Alle drei Jungs sind bereits tot.’ |
| Adverbialer Gebrauch | Uns baide am shprehen so shoen. ‘Wir beide unterhalten uns so schön.’ |

Die Adjektivkomparation erfolgt grundsĂ€tzlich analytisch, ohne Endungs- oder Wurzelflexion. Ausnahmen bilden lediglich einige (hoch)frequente Adjektive, wie bspw. gut oder alt, die eine synthetische und sogar eine Stammalternation mit einschließender Komparation nach dem Muster des Hochdeutschen kennen.cite-ref-4-9-21[9]

Pronomen

Das Pronominalsystem im Unserdeutsch zeigt weitgehende Ähnlichkeit mit dem des Hochdeutschen. Der Unterschied besteht vor allem in der Absenz einer Kasus- und Genusflexion und einigen weiteren Innovationen. Die Demonstrativ-, Possessiv- und Indefinitpronomen sind im Basilekt gĂ€nzlich flexionslos. Entweder ist die Form der Pronomen aus der endungslosen Form des hochdeutschen Pronomens abgeleitet (main, sain, fil) oder aus dessen mit -e suffigierter Form (ire, dise). Reflexive oder reziproke Pronomen treten in Unserdeutsch grundsĂ€tzlich nicht auf.cite-ref-4-9-22[9]cite-ref-5-10-4[10]

Personalpronomen

Da die Kategorie des grammatischen Geschlechts (Genus) in Unserdeutsch gĂ€nzlich fehlt, referieren die beiden Pronomen der 3. Pers. Sg. ausschließlich auf das natĂŒrliche Geschlecht (Sexus). Ein drittes, neutrales Personalpronomen in der 3. Pers. Sg. gibt es ebenso wenig wie ein dem hochdeutschen es bzw. man entsprechendes, unpersönliches Pronomen. FĂŒr unpersönliche Konstruktionen wird in Unserdeutsch das Pronomen der 2. Pers. Sg. (du) verwendet.cite-ref-5-10-5[10]

| | Singular | Plural |
|---|---|---|
| 1. Person | i | wi/uns |
| 2. Person | du | oi/du |
| 3. Person | er/si | di |

Die zwei Formen des Personalpronomens in der 1. Pers. Pl. verweisen auf eine mögliche Exklusiv-inklusiv-Distinktion (exklusiv: wi vs. inklusiv: uns) analog zum Tok Pisin (exklusiv: mipela vs. inklusiv: yumi), die nach Volkers Aussage in den 1970er Jahren in der Sprache noch vorhanden gewesen sein soll.cite-ref-6-13-0[13] Umfangreiche jĂŒngere Korpusdaten zeigen jedoch, dass die beiden Formen anstatt einer komplementĂ€ren, funktionalen Verteilung vielmehr freie Variation zeigen.cite-ref-5-10-6[10]cite-ref-3-8-5[8]

| Inklusiv | Uns baide am shprehen so shoen, uns tswai am shprehen Unserdeutsch. ‘Wir beide unterhalten uns so schön ... wir beide sprechen Unserdeutsch.’ |
|---|---|
| Exklusiv | Wi tantsen wen wi hat musik; wi ale tantsen, saufen, dan nekste ta wi kaput. ‘Wir tanzen, wenn wir Musik haben; wir tanzen alle, wir saufen, und am nĂ€chsten Tag sind wir dann fertig.’ |

FĂŒr die 2. Pers. Pl. gibt es zwei funktional gleichwertige Varianten, wobei oi, abgeleitet vom hochdeutschen euch, deutlich hĂ€ufiger auftritt. Die Form des Personalpronomens der 3. Pers. Pl. ist offensichtlich durch Reanalyse des hochdeutschen Demonstrativpronomens die entstanden.cite-ref-5-10-7[10]

Possessivpronomen

In der 3. Pers. Sg. gibt es auch bei den Possessivpronomen zwei sexusspezifische Formen, sain und ire. Die beiden Varianten in der 1. Pers. Pl. sind funktional-semantisch gleichwertig. Possession kann zusĂ€tzlich auch durch die Possessivkonstruktion fi + Personalpronomen ausgedrĂŒckt werden (fater fi di – ‘ihr Vater’), und PossessivitĂ€t wird in der 3. Pers. Sg. tatsĂ€chlich oft, in der 3. Pers. Pl. so gut wie ausschließlich durch diese Konstruktion ausgedrĂŒckt.cite-ref-5-10-8[10]

| | Singular | Plural |
|---|---|---|
| 1. Person | main | unse/unsre |
| 2. Person | dain | oire |
| 3. Person | sain/ire | Ø |

Demonstrativpronomen

Das Inventar an Demonstrativpronomen im Unserdeutsch beschrÀnkt sich auf die Lexeme di und dise.cite-ref-5-10-9[10]

Relativpronomen

Unserdeutsch hat mit wo ein Relativpronomen, das im Prinzip sowohl mit einem sĂŒdwestdeutschen Substrateinfluss als auch einem Substrateinfluss von Tok Pisin erklĂ€rt werden kann, das mit we (aus engl. where) ĂŒber ein Ă€hnliches Relativpronomen verfĂŒgt.cite-ref-5-10-10[10]

| Unserdeutsch | de gantse haus wo is auf de shtrase |
|---|---|
| Tok Pisin | olgeta haus we i stap long rot |
| Hochdeutsch | ‘Alle HĂ€user, die auf der Straße stehen’ |

Weitere Wortarten

Das Inventar an Funktionswörtern ist in Unserdeutsch, wie in Kreolsprachen allgemein, relativ beschrÀnkt. Diese weisen andererseits einen relativ hohen Grad an Polysemie auf.

Artikel

Unserdeutsch kennt einen definiten und einen indefiniten Artikel im Singular (de bzw. ain) und einen Artikel im Plural (ale in Anlehnung an Tok Pisin ol), der sowohl finit als auch indefinit verwendet werden kann. Da Unserdeutsch die Kategorien Genus und Kasus nicht kennt, ist folglich auch die Form der Artikel unverÀnderlich.cite-ref-5-10-11[10]

| | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Definit | de | ale |
| Indefinit | ain | ale |

PrÀpositionen

Unserdeutsch hat keine Postpositionen und Zirkumpositionen aus dem Hochdeutschen bewahrt. Die vorhandenen PrĂ€positionen haben mit der (adaptierten) Form in der Regel auch deren Bedeutung aus dem Hochdeutschen ĂŒbernommen. Einige weitere PrĂ€positionen sind durch die Reanalyse anderer deutscher Lexeme oder Konstruktionen gebildet worden (nahdem – ‘nach’, unten – ‘unter’), wieder andere haben ihre Bedeutung aus dem Englischen entlehnt.cite-ref-5-10-12[10]

Konjunktionen

Die weitaus meisten unserdeutschen Konjunktionen in den jĂŒngeren Interviewdaten stammen aus dem Hochdeutschen. Hinzu kommen mehrere weitere aus dem Englischen, die offensichtlich erst spĂ€ter, als Folge der sprachlichen Überdachung und Dominanz des australischen Englisch entstanden sind. Semantisch Ă€quivalente Konjunktionen deutscher und englischer Herkunft alternieren oft.cite-ref-5-10-13[10]

| Transfer aus dem Hochdeutschen | Transfer aus dem Englischen | Bedeutung |
|---|---|---|
| fiwas/wegen | (be)cause | ‘weil’ |
| ode | o / or | ‘oder’ |

Das Lexem fi (< dt. fĂŒr) ist ein plakatives Beispiel fĂŒr die PolyfunktionalitĂ€t von Funktionswörtern in Unserdeutsch und in Kreolsprachen allgemein. Das Wort wird als Konjunktion, als PrĂ€position, als Possessionsmarker und auch als einleitendes Element von Verbalphrasen in abhĂ€ngigen SĂ€tzen verwendet.cite-ref-5-10-14[10]

| Polyfunktionales fi | Polyfunktionales fi |
|---|---|
| Konjunktion | Er get da fi holen ale kinder. ‘Er geht dahin, um die Kinder zu holen’ |
| PrĂ€position | fi er ‘fĂŒr ihn’ |
| „Infinitiverweiterung“ | du wais wi fi mahen ‘Du weißt, wie man es macht.’ |
| Markierung von Possession | haus fi Tom ‘Toms Haus’ |

DarĂŒber hinaus erscheint fi in der Konstruktion fi was – ‘warum/weshalb’ als Interrogativum und als unterordnende Konjunktion fiwas – ‘weil’.cite-ref-5-10-15[10]

Syntax

In der Syntax von Unserdeutsch zeigt sich ein besonders augenfÀlliger Substrateinfluss von Tok Pisin, vor allem in Bezug auf die Konstituentenabfolge. Zu den markantesten syntaktischen Eigenschaften von Unserdeutsch gehört vor allem die strikte SV(O)-Abfolge, daneben der Abbau der hochdeutschen Verbalklammer und die OptionalitÀt von Funktionswörtern.

SV(O)-Abfolge

Die Konstituentenabfolge Subjekt-Verb-Objekt ist in Unserdeutsch fĂŒr sĂ€mtliche Satztypen charakteristisch. Neben DeklarativsĂ€tzen folgen auch ImperativsĂ€tze, zum Teil auch InterrogativsĂ€tze, und – da Unserdeutsch keine formale Distinktion zwischen Haupt- und NebensĂ€tzen kennt – auch NebensĂ€tze diesem syntaktischen Muster.cite-ref-3-8-6[8]cite-ref-4-9-23[9]

| Deklarativsatz | I war geboren in ain andre plats. ‘Ich bin anderswo geboren.’ |
|---|---|
| Imperativsatz | Du kom sitsen in main office! ‘Komm, setz dich in mein BĂŒro!’ |
| Interrogativsatz | Du hat shon geshprehen tsu [Name]? ‘Hast du schon mit [Name] gesprochen?’ |
| Nebensatz | Filai yets wi ni get mese fiwas wi war shon sat fon. ‘Vielleicht gehen wir jetzt deswegen nicht mehr zur Messe, weil wir schon genug davon hatten.’ |

FĂŒr die Satzgliedstellung in ErgĂ€nzungsfragen ergeben sich zwei Stellungsmuster. Das Interrogativum kann sowohl in Finalstellung als auch in Initialstellung stehen.cite-ref-4-9-24[9]

| Finalstellung | Du wit get wo? ‘Wohin wĂŒrdest du gehen?’ |
|---|---|
| Initialstellung | Was du mainen? ‘Was meinst du?’ |

Abbau der Klammerkonstruktionen

Ein weiteres syntaktisches Merkmal von Unserdeutsch ist der weitgehende Abbau der hochdeutschen Klammerkonstruktionen und damit die Adjazenzstellung (das direkte Nebeneinander) der verbalen Elemente im Satz. Der Abbau betrifft alle drei hochdeutschen Klammerkonstruktionen: Erstens gibt es in Unserdeutsch durch die feste SV(O)-Wortstellung keine Satzklammer in NebensÀtzen, die im Hochdeutschen mit satzeinleitendem Element (bspw. Relativpronomen) und finitem Verb in finaler Position aufgespannt ist.cite-ref-4-9-25[9]

Zweitens ist die Lexikalklammer bei Partikelverben aufgehoben. Deutsche Partikelverben sind in Unserdeutsch oft zu untrennbaren PrÀfixverben reanalysiert worden. Ist dies nicht der Fall und ist eine Trennung möglich, so folgt die abgetrennte Partikel direkt auf das Verb.cite-ref-4-9-26[9]

Drittens betrifft der Abbau auch die Grammatikalklammer. Diese wird im Hochdeutschen bei einem Verbalkomplex, bestehend aus mindestens zwei Verben, aufgespannt, wobei das infinite Verb in finaler Position steht. In Unserdeutsch folgen die Verben in der Regel direkt aufeinander.cite-ref-4-9-27[9]

Die hochdeutsche Grammatikalklammer ist teilweise noch reduziert erhalten, im Basilekt jedoch kann das so eröffnete Mittelfeld von nicht mehr als einem einzigen Element besetzt sein. Je weiter allerdings die jeweils gesprochene VarietÀt vom basilektalen Pol des Kreolkontinuums entfernt ist, desto mehr Elemente können dann auch, analog zum Hochdeutschen, im Mittelfeld auftreten.cite-ref-4-9-28[9]

Tilgung von Funktionswörtern

Das Inventar an Funktionswörtern ist in Kreolsprachen grundsĂ€tzlich beschrĂ€nkter als in ihren jeweiligen Superstratsprachen bzw. als in Nicht-Kreolsprachen. Funktionswörter in Kreols sind deswegen erstens oft polyfunktional, zweitens sind sie in vielen FĂ€llen aber auch optional und mĂŒssen nicht immer realisiert werden. Die Tilgung von unterschiedlichen, im Hochdeutschen obligatorisierten Funktionswörtern lĂ€sst sich auch in Unserdeutsch beobachten. Erstens kennt Unserdeutsch keine formalen Subjekte oder Objekte, wie das expletive es im Hochdeutschen.cite-ref-4-9-29[9]

Zweitens ist die Realisierung des Kopulaverbs in Kopulakonstruktionen fakultativ.cite-ref-4-9-30[9]

Die Artikel, wenn auch stÀrker obligatorisiert als die Kopula, können in bestimmten FÀllen ebenfalls weggelassen werden.cite-ref-4-9-31[9]

Auch lokale PrÀpositionen, die in Verbindung mit direktionalen Verben (bspw. geht, komm) stehen, können weggelassen werden, da die DirektionalitÀt bereits in der Verbbedeutung enthalten ist.cite-ref-4-9-32[9]

Dokumentation von Unserdeutsch

Die ersten Daten und wissenschaftlichen Berichte ĂŒber Unserdeutsch und andere deutsch-basierte koloniale VarietĂ€ten im einstigen Deutsch-Neuguinea stammen vom renommierten Pidginisten und Kreolisten Peter MĂŒhlhĂ€usler (University of Adelaide, South Australia), der in den 1970er Jahren als Erster in der Gegend von Rabaul war, um vor Ort historische Quellen zu Unserdeutsch zu erschließen und Sprecher zu befragen.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15] Wenige Jahre spĂ€ter, Ende der 1970er Jahre, begegnete dann durch Zufall der junge Germanistikstudent Craig Volker in seinem Deutschkurs an einer Highschool in Gold Coast (Queensland, Australien) einer jungen Unserdeutsch-Sprecherin. Auch er ging dann nach Rabaul, erhob dort linguistische Daten, auf deren Grundlage er seine Masterarbeit verfasste, die u. a. die erste grammatische Skizze von Unserdeutsch enthĂ€lt.cite-ref-6-13-1[13] In den folgenden Jahrzehnten geriet Unserdeutsch innerhalb der Linguistik jedoch in Vergessenheit.cite-ref-3-8-7[8]

Erst 2015 ist auf Initiative und unter der Leitung von PĂ©ter Maitz an der UniversitĂ€t Augsburg mit der systematischen und umfassenden Dokumentation und Erforschung von Unserdeutsch begonnen worden. 2018 folgte der Umzug des Augsburger Projektteams in die Schweiz, an die UniversitĂ€t Bern, wo die Erforschung der Sprache seitdem fortgesetzt wird. Im Rahmen von mehreren Feldforschungsreisen nach Papua-Neuguinea und Australien wurden zwischen 2014 und 2019 zahlreiche soziolinguistische Interviews mit mehr als der HĂ€lfte der Sprachgemeinschaft gefĂŒhrt. Aus diesen Daten wurde zwischen 2015 und 2019 ein Korpus aufgebaut, das seit 2024 ĂŒber die Datenbank fĂŒr gesprochenes Deutsch am Leibniz-Institut fĂŒr Deutsche Sprache in Mannheim (IDS) zu Forschungs- und Lehrzwecken zugĂ€nglich ist. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Projekt sollen nach Intention des Projektleiters auch dazu beitragen, dass die vergessene bzw. verdrĂ€ngte deutsche Kolonialzeit in der SĂŒdsee angemessen aufgearbeitet wird. Maitz betont in der FAZ die ethische Dimension des Forschungsprojekts: „Wir mĂŒssen uns darĂŒber im Klaren sein: Diese Sprache und die Sprachgemeinschaft selbst wĂ€ren nicht entstanden, wenn es keine koloniale UnterdrĂŒckung gegeben hĂ€tte (...) Hinter der Entstehung von Unserdeutsch steckt das Schicksal einer kleinen, traumatisierten Gemeinschaft, die wegen ihrer Hautfarbe ĂŒber Generationen unterdrĂŒckt, ausgegrenzt, diskriminiert und auch misshandelt wurde (...) Mal waren diese Menschen nicht weiß genug, dann wieder nicht schwarz genug, um als gleichwertig angesehen und behandelt zu werden“.cite-ref-16[16]

Literatur

‱ »Du wid get wo?« Interview von Johannes Saltzwedel mit PĂ©ter Maitz. In: Eva-Maria Schnurr, Frank Patalong (Herausgeber): »Deutschland, deine Kolonien«: Geschichte und Gegenwart einer verdrĂ€ngten Zeit. 2. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, MĂŒnchen 2022, ISBN 978-3-421-07002-9, S. 155–157.
‱ Matthias Heine: Letzter Schultag im Kaiser-Wilhelmsland. Wie der Erste Weltkrieg die deutsche Sprache fĂŒr immer verĂ€nderte. Hoffmann und Cmpe: Hamburg, 2018ÂČ. ISBN 978-3-455-00281-2. S. 141–149 (Wie die Kinder von Neupommern eine Sprache erfanden).
‱ Siegwalt Lindenfelser: Kreolsprache Unserdeutsch. Genese und Geschichte einer kolonialen KontaktvarietĂ€t, De Gruyter, Berlin/Boston 2021, Diss. UniversitĂ€t Bern, 2020, ISBN 978-3-11-071400-5
‱ PĂ©ter Maitz u. a.: De knabe, de mĂ€dhen, de kokonuss. In: forschung. Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Heft 4/2017, ISSN 0172-1518, S. 16–21.
‱ PĂ©ter Maitz: Unserdeutsch (Rabaul Creole German). Eine vergessene koloniale VarietĂ€t des Deutschen im melanesischen Pazifik. In: Alexandra N. Lenz (Hrsg.): German Abroad – Perspektiven der Variationslinguistik, Sprachkontakt- und Mehrsprachigkeitsforschung. V&R unipress, Göttingen 2016, S. 211–240.
‱ Stefan Engelberg: The German Language in the South Seas. Language Contact and the Influence of Language Politics and Language Attitudes. In: Mathias Schulze u. a. (Hrsg.): German Diasporic Experience. Identity, Migration, and Loss. Wilfrid Laurier University Press, Waterloo 2008, ISBN 978-1-55458-027-9, S. 317–329.
‱ Susanne MĂŒhleisen: Emil Schwörers „Kolonial-Deutsch“ (1916). In: PhiN 31/2005 (Aufsatz ĂŒber Unserdeutsch und andere VarietĂ€ten).
‱ Craig A. Volker: The rise and decline of Rabaul Creole German, Language and Linguistics in Melanesia. In: John Lynch (Hrsg.): Oceanic studies: proceedings of the first international conference on oceanic linguistics. Australian National University, Canberra 1996, ISBN 0-85883-440-5.
‱ Craig A. Volker: Rabaul Creole German Syntax. In: Working Papers in Linguistics, University of Hawaii 21/1989, S. 153–189.
‱ Peter MĂŒhlhĂ€usler: Tracing the roots of pidgin German. In: Language and Communication 4/(1)/1984, S. 27–57, ISSN 0271-5309.
‱ Peter MĂŒhlhĂ€usler: Bemerkungen zum „Pidgin Deutsch“ von Neuguinea. In: Carol Molony, Helmut Zobl, Wilfried Stölting (Hrsg.): German in Contact with other Languages. Scriptor Verlag, Kronberg 1977, ISBN 3-589-20551-2, S. 58–70.

Weblinks

Wiktionary: Unserdeutsch

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Unserdeutsch-Eintrag bei Ethnologue
‱ Wörterbuch Unserdeutsch-Deutsch (u. a. basierend auf Wiktionary)
‱ Aloysius Widmann: Die Sprache der Waisen von Vunapope In: Der Standard, 26. Mai 2021
‱ Fabian von Poser: Mann spricht deutsch In: FAZ, 1. Oktober 2020
‱ Rebekka Endler: Pippi und die vergessenen Kinder Papua-Neuguineas Auf: Deutschlandfunk, 14. Februar 2020
‱ The forgotten story of the civilian prisoners of war who survived in the Pacific Auf SBS TV, 18. Juni 2019
‱ Rebekka Endler: Unbekannte Sprache auf Papua Neuguinea Auf: Deutschlandfunk Nova, 26. Januar 2018
‱ Oliver Meier: Unserdeutsch: MĂŒndliches Erbe der deutschen Missionare im Pazifik. Vergessenes Deutsch im Urwald. Auf: Radio SRF, 12. Juni 2017
‱ Cristoph Beschnitt: Unserdeutsch kurz vor dem Aussterben In: Rheinische Post, 8. Juni 2017
‱ Wo im Pazifik deutsch gesprochen wird Auf: BR24, 8. November 2016
‱ Augsburger erforschen SĂŒdsee-Deutsch Auf: BR Fernsehen, 1. November 2016
‱ Matthias Heine: Unserdeutsch – Wie Kinder aus Neupommern eine Sprache erfanden. In: Die Welt, 3. April 2016
‱ Dash to document disappearing PNG language Auf: SBS TV, 15. MĂ€rz 2016
‱ Cem Akalin: Unserdeutsch als Geheimsprache In: General-Anzeiger, 13. November 2015
‱ Hans Kratzer: Man spricht Unserdeutsch. In: SĂŒddeutsche Zeitung Online, 25. Dezember 2014

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Lindenfelser, passim.
cite-note-22. ↑ PĂ©ter Maitz: Was ist Unserdeutsch. In: Institut fĂŒr Germanistik. UniversitĂ€t Bern, 2020, abgerufen am 23. Januar 2021.
cite-note-0-33. ↑ PĂ©ter Maitz, Werner König, Siegwalt Lindenfelser, Angelika Götze, Salome Lipfert, Katharina Neumeier: De knabe, de mĂ€dhen, de kokonuss. In: forschung. Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Band 42, Nr. 4, 2017, S. 16–21, doi:10.1002/fors.201770404.
cite-note-44. ↑ Siegwalt Lindenfelser: Unserdeutsch. Frucht deutscher Kolonialbestrebungen in der SĂŒdsee. Hrsg.: Pazifik-Informationsstelle, Blickpunkt. Nr. 20, 2016, S. 1–7 (bsz-bw.de [PDF; abgerufen am 8. Januar 2024]).
cite-note-1-55. ↑ PĂ©ter Maitz: Deutsch als Minderheitensprache in Australien und Ozeanien. In: Joachim Herrgen, JĂŒrgen Erich Schmidt (Hrsg.): Sprache und Raum. Ein internationales Handbuch der Sprachvariation. Band 4. De Gruyter, Berlin & Boston 2019, ISBN 978-3-11-018003-9, S. 1191–1209.
cite-note-66. ↑ PĂ©ter Maitz, Craig A. Volker: Documenting Unserdeutsch. Reversing colonial amnesia. In: Journal of Pidgin and Creole Languages. Band 32, Nr. 2, 2017, S. 365–397, doi:10.1075/jpcl.32.2.06mai (researchgate.net).
cite-note-2-77. ↑ PĂ©ter Maitz: Unserdeutsch. Eine vergessene koloniale VarietĂ€t des Deutschen im melanesischen Pazifik. In: Alexandra N. Lenz (Hrsg.): German abroad – Perspektiven der Variationslinguistik, Sprachkontakt- und Mehrsprachigkeitsforschung. V & R unipress, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8471-0597-8, S. 211–240.
cite-note-3-88. ↑ PĂ©ter Maitz: Dekreolisierung und Variation in Unserdeutsch. In: Helen Christen, Peter Gilles, Christoph Purschke (Hrsg.): RĂ€ume – Grenzen – ÜbergĂ€nge. Akten des 5. Kongresses der Internationalen Gesellschaft fĂŒr Dialektologie des Deutschen (IGDD). Steiner (ZDL Beihefte), Stuttgart 2017, ISBN 978-3-515-11995-5, S. 225–252.
cite-note-4-99. ↑ PĂ©ter Maitz, Siegwalt Lindenfelser: Unserdeutsch: ein (a)typisches Kreol? In: Zeitschrift fĂŒr Dialektologie und Linguistik. Band 85, Nr. 3, 2018, S. 307–347.
cite-note-5-1010. ↑ PĂ©ter Maitz, Siegwalt Lindenfelser, Craig A. Volker: Unserdeutsch (Rabaul Creole German), Papua New Guinea. Manuskript.
cite-note-1111. ↑ PĂ©ter Maitz, Siegwalt Lindenfelser: Gesprochenes Alltagsdeutsch im Bismarck-Archipel um 1900. Das Zeugnis regional markierter SuperstrateinflĂŒsse in Unserdeutsch. In: Alexandra N. Lenz, Albrecht Plewnia (Hrsg.): Variation – Normen – IdentitĂ€ten. de Gruyter, Berlin & Boston 2018, S. 305–337.
cite-note-1212. ↑ Philippe Mauer and the APiCS Consortium: Tense-aspect systems. In: Susanne Maria Michaelis, Philippe Maurer, Martin Haspelmath, Magnus Huber (Hrsg.): The atlas of pidgin and creole language structures. Oxford University Press, Oxford 2013.
cite-note-6-1313. ↑ Craig A. Volker: An Introduction to Rabaul Creole German (Unserdeutsch). Hrsg.: unveröffentlichte Masterarbeit. UniversitĂ€t Queensland 1982.
cite-note-1414. ↑ Peter MĂŒhlhĂ€usler: Bemerkungen zum "Pidgin" Deutsch von Neuguinea. In: Carol Molony, Helmut Zobl, Wilfried Stölting (Hrsg.): German in Contact with other Languages. Scriptor, Kronberg 1977, S. 58–70.
cite-note-1515. ↑ Peter MĂŒhlhĂ€usler: Bemerkungen zur Geschichte und zum linguistischen Stellenwert des "Pidgindeutsch". In: Leopold Auburger, Heinz Kloss (Hrsg.): Deutsche Sprachkontakte in Übersee (=Forschungsberichte des Instituts fĂŒr deutsche Sprache). Band 43. Narr, TĂŒbingen 1979, S. 59–87.
cite-note-1616. ↑ Fabian von Poser: Mann spricht deutsch. In: FAZ. 1. Oktober 2020, abgerufen am 14. Februar 2021.